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Es erfüllt mich mit großer Freude, daß ich den letzten Teil des Buches abschließen konnte. Als ich das erste Vorwort verfaßte, hatte ich nur die ersten vier Teile niedergeschrieben. Mit den sechs letzten Teilen, die nun vorliegen, habe ich meinen Lesern noch manches mitzuteilen, daher ein zweites Vorwort.
Es sind nun viele Monate her, seit ich diesen abschließenden Teil zu schreiben begann. Ich kann wahrhaftig sagen, daß während dieser Zeit die Bürde der Arbeit täglich auf mir lastete. Es ist für den Feind ganz natürlich, die Ausbreitung der göttlichen Wahrheiten zu hassen. Dementsprechend wurde ich auch unaufhörlich angegriffen und bedroht. Gott sei Dank, denn seine Gnade hat mich durchgetragen. Oftmals schien es mir unmöglich, weiterzuschreiben, weil der Druck auf meinen Geist zu stark und die Widerstandskraft zu schwach war, ja, ich verzweifelte manchmal am Leben selbst. Sooft ich aber verzweifeln wollte, wurde ich von dem Gott, dem ich diene, wieder gestärkt › wie er verheißen hat; dazuhaben auch die Gebete vieler geholfen. Jetzt ist die Arbeit abgeschlossen, und ich bin der Bürde entledigt. Welch eine Erquickung für mich!
Heute übergebe ich dieses Buch ehrfurchtsvoll unserem Gott. Da er hinausgeführt, was er begonnen hat, ist mein Gebet, daß er diese Seiten segnen möge, damit sie ihre von Gott gegebene Mission in seiner Gemeinde erfüllen. Ich bitte Gott, jeden Leser zu segnen, damit er den geraden Weg finde und dem Herrn vollkommen nachzufolgen lerne. Mein Geist und mein Gebet begleiten dieses Werk. Möge Gott es nach seinem vortrefflichen Willen gebrauchen.
Brüder, es wird für klug erachtet, wenn ein Schriftsteller nicht zuviel Begeisterung für sein eigenes Werk zeigt, ich aber will heute diesen althergebrachten menschlichen Grundsatz mißachten. Jedoch nicht, weil ich dies Buch geschrieben habe, sondern wegen dem Wahrheitsgehalt des Buches. Hätte es ein anderer geschrieben, wäre ich freier, die Menschen darauf aufmerksam zu machen. Ich muß euch daher um Nachsicht bitten. Ich weiß um die Wichtigkeit der darin enthaltenen Wahrheiten, und soweit ich den Willen Gottes zu erkennen vermag, braucht gerade unsere Zeit diese Wahrheiten. Ich hatte nicht im geringsten die Absicht, diese Aufgabe zu übernehmen, sondern schrieb nur, weil ich vom Herrn dazu beauftragt wurde. Die Wahrheiten auf diesen Seiten stammen nicht von mir; Gott hat sie mir geschenkt. Ja, selbst während ich schrieb, beglückte er mich mit neuen Segnungen.
Ich wünsche meinen Lesern ein gründliches Verständnis dafür, daß diese Arbeit in keiner Weise eine Abhandlung über die Theorie des geistlichen Lebens und Kampfes ist. Ich kann selbst bezeugen, daß ich diese Wahrheiten durch viel Leiden, Prüfungen und Fehler lernte. Man könnte beinahe sagen, daß jeder einzelne dieser Lehrsätze durch Feuer eingebrannt wurde. Das sind nicht leichtgewählte Worte, sie kommen aus tiefstem Herzen.
Beim Zusammenstellen der Bände habe ich nicht versucht, gleiche und verwandte Grundsätze zusammenzufassen. Ich habe sie einfach da erwähnt, wo es nötig wurde. Im Hinblick auf ihre äußerste Wichtigkeit mag ich die eine oder andere Wahrheit mehrmals berührt haben in der Hoffnung, daß die Kinder Gottes sich diese dabei besser einprägen. Nur durch Wiederholen vermögen wir die Wahrheit im Gedächtnis zu behalten, und nur durch erneutes Durcharbeiten werden wir sie lernen.
Ich weiß, daß dieses Buch manche scheinbaren Unvereinbarkeiten enthält, ich möchte aber dem Leser sagen, daß sie in der Tat nur scheinbar und nicht wirklich bestehen. Da das Buch Dinge des geistlichen Bereiches behandelt, kann es nicht anders sein, als daß scheinbare theoretische Widersprüche auftreten. Geistliche Dinge scheinen oft widersprüchlich zu sein (2.Kor. 4,8.9). Die praktische Erfahrung wird sie in vollkommene Übereinstimmung bringen. Obschon es also Stellen geben wird, die der Logik zu trotzen scheinen, möchte ich doch bitten, sich ernstlich um Verstehen zu bemühen. Sollte es jemand falsch verstehen wollen, so kann er sehr wohl in diese Zeilen hineinlesen, was ich nicht beabsichtigte.
Ich bin davon überzeugt, daß nur eine bestimmte Gruppe von Menschen dieses Buch wirklich verstehen wird. Meine ursprüngliche Absicht war, dem Mangel vieler Gläubigen zu begegnen; so werden offensichtlich nur jene, die einen Mangel haben, dieses Buch zu schätzen wissen. Für sie wird es ein wegweisendes Handbuch sein. Andere werden diese Wahrheiten als Ideale betrachten oder sie als unpassend kritisieren. Dem Maß des Bedürfnisses entsprechend wird der Gläubige aber verstehen, was hier geschrieben steht. Ohne daß der Leser eine persönliche Not hat, wird er auch durch das Lesen dieser Seiten keine Hilfe finden.
Je tiefer die Wahrheit, desto leichter wird sie zur Theorie. Ohne das Wirken des Heiligen Geistes wird niemand in tiefere Wahrheiten eindringen. So werden manche Leser diese Grundsätze als eine Art Ideal behandeln. Wir wollen daher das, was dies Buch lehrt, nicht nur mit dem Verstand aufnehmen und meinen, die Lehren bereits zu besitzen. Das ist eine große Gefahr, denn die Täuschung, die vom Fleisch und vom Bösen herkommt, wird Tag für Tag größer.
Der Leser sollte auch die aus diesem Buch gewonnene Erkenntnis nicht dazu mißbrauchen, andere zu kritisieren. Es ist sehr leicht, zu sagen: dies ist vom Geist und dies vom Fleisch; aber wir selbst bilden auch keine Ausnahme. Die Wahrheit ist dazu gegeben, die Menschen freizumachen und nicht, um Fehler herauszufinden. Mit dem Kritisieren beweisen wir nur, daß wir nicht weniger »seelisch« oder fleischlich sind, als der Kritisierte. Hier besteht eine ernste Gefahr; es ist daher nötig, große Vorsicht walten zu lassen.
In meinem ersten Vorwort erwähnte ich etwas, das verdient, hier wiederholt und sorgfältig herausgearbeitet zu werden. Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß wir nie versuchen, uns selbst zu analysieren. Nach dem Lesen dieser Abhandlung könnten wir unsere Selbstanalyse unbewußtübertreiben. Im Beobachten des Zustandes unseres Innenlebens neigen wir dazu, unseren Gedanken und Gefühlen und der Bewegung des inneren Menschen zu viel Beachtung zu schenken. Dies mag zunächst nach rascher Weiterentwicklung aussehen, macht jedoch in Wirklichkeit eine richtige Behandlung des Selbst noch schwieriger. Wenn wir uns beharrlich um uns selbst drehen, werden wir den Frieden völlig verlieren, denn bald entdecken wir, wie sehr unsere Erwartungen dem wahren Zustand widersprechen. Wir glauben mit Heiligkeit erfüllt zu sein, lassen es jedoch an Heiligkeit fehlen. Das schafft uns Unbehagen. Gott erwartet nie, daß wir uns so sehr mit uns befassen, denn dies ist der Hauptgrund für geistlichen Stillstand. Unsere Ruhe liegt im Blick auf den Herrn und nicht auf uns selbst. In dem Maße, in dem wir von uns weg auf ihn schauen, sind wir auch von unserem Ich erlöst. Wir vertrauen auf das vollendete Werk Jesu Christi, unseres Herrn, nicht auf unsere wechselhaften Erfahrungen. Wahres geistliches Leben gründet sich nicht auf unsere Gefühle und Gedanken vom Morgengrauen bis zur Abenddämmerung, sondern auf den Heiland.
Daß doch kein Leser sich verleiten läßt zu glauben, er müsse allen übernatürlichen Erscheinungen widerstehen. Wir haben zu prüfen, ob etwas von Gott ist oder nicht. Ich glaube ganz gewiß, daß viele übernatürliche Erfahrungen von Gott kommen › dessen war ich oft Zeuge.
Dennoch muß ich bestätigen, daß heute viele übernatürliche Phänomene falsch und trügerisch sind. Ich habe nicht die geringste Absicht, jemand zu überreden, alles Übernatürliche abzulehnen. Ich möchte in diesem Buch nur auf den grundsätzlichen Unterschied des Ursprungs dieser beiden Arten von Kundgebungen hinweisen. Wenn ein Gläubiger irgendeinem übernatürlichen Phänomen begegnet, so sollte er es nach den in der Bibel offenbarten Grundsätzen sorgfältig prüfen, bevor er sich zur Annahme oder Ablehnung entschließt.
Was die Seele betrifft, meine ich, daß die meisten Christen von einem Extrem ins andere fallen. Wir betrachten auf der einen Seite Gemütsbewegungen üblicherweise als »seelisch«; dementsprechend klassieren wir jene, die leicht gerührt oder gereizt werden, als »seelisch«. Auf der anderen Seite vergessen wir, daß auch das rationale Denken keineswegs ein Erweis für geistliches Leben ist. Vor diesem Fehlurteil müssen wir uns ebensosehr hüten wie davor, daß wir ein vorwiegend gefühlsbetontes Leben für geistlich halten. Um einen Schritt weiterzugehen, ist aber zu sagen, daß wir die Wirksamkeit der Seele nie zu einer tödlichen Untätigkeit reduzieren dürfen. Früher haben wir uns vielleicht über unser »seelisches« Empfinden und Aufgeregtsein in keiner Weise Sorgen gemacht und haben dementsprechend gelebt. Später jedoch, als wir unsere früheren Fehler erkannten, gingen wir dazu über, diese Gefühlsbewegungen gänzlich zu unterdrücken. Diese Haltung mag uns sehr gut erscheinen, macht uns aber auch nicht ein bißchen geistlicher. Ein wenn auch noch so kleines Mißverständnis an diesem Punkt wird zu einem »toten Leben« führen. Warum? Weil der Geist, der keine Gelegenheit hat sich auszudrücken, durch ein ertötetes Gefühl eingeschlossen ist. Darüberhinaus bringt dies die Gefahr mit sich, daß sich der Gläubige im übertriebenen Unterdrücken seines Gefühls schließlich zu einem vernunftmäßigen und nicht zu einem geistlichen Menschen entwickelt, und er damit, wenngleich in anderer Form, dennoch »seelisch« bleibt. Die Erregung der Seele aber, wenn sie des Geistes Empfinden zum Ausdruck bringt, ist äußerst kostbar; und der Gedanke der Seele, sofern er des Geistes Sinn offenbart, kann überaus lehrreich sein.
Nun möchte ich noch zum letzten Teil des Buches etwas sagen. Im Hinblick auf meine körperliche Schwachheit könnte es scheinen, daß ich am wenigsten dazu befähigt wäre, über solch ein Thema zu schreiben. Aber vielleicht gewährt mir gerade diese Schwachheit eine tiefere Einsicht, weil ich mehr unter Krankheit und Schmerzen leide als die meisten Menschen.
Unzählige Male wollte mir der Mut schwinden. Gott aber sei Dank, daß ich imstande war, auch diesen Teil zu beendigen. Ich hoffe, daß jene, die eine gleiche Erfahrung machten mit ihren »irdischen Zelten«, das annehmen, was ich schrieb, um ein wenig Licht aus der Dunkelheit anzubieten, durch die ich gegangen bin. Natürlich wird immer wieder nach der göttlichen Heilung gefragt. Da dies ein Buch ist, das sich in erster Linie mit Grundsätzen befaßt, sehe ich davon ab, auf Argumente von anderen Gläubigen im einzelnen einzugehen. Ich habe in diesem Buch das gesagt, wozu ich innerlich geführt wurde. Ich bitte den Leser, selbst zu beurteilen und zu unterscheiden, was von Gott ist und was vom eigenen Ich kommt.
Ich bekenne, daß in dieser Arbeit viel Unvollkommenes ist, dennoch biete ich euch, nachdem ich mein Bestes getan habe, dieses Beste an. Im Wissen um den Ernst dieser Botschaft bat ich Gott mit Furcht und Zittern, mich recht zu leiten.
Ich bin mir bewußt, daß sich ein Werk, das die List des Feindes aufzudecken sucht, unweigerlich die Feindschaft der Kräfte der Finsternis und die Gegnerschaft vieler zuziehen wird. Ich habe nicht geschrieben, um mir den Beifall der Menschen zu sichern. Ich betrachte diese Gegnerschaft daher als nicht von Bedeutung. Ich kann mir auch vorstellen, daß Gotteskinder, denen durch das Lesen dieses Buches Hilfe zuteil wird, höher von mir denken, als ich es verdiene. Laßt es mich euch ehrlich sagen, daß auch ich nur ein Mensch, ja vielleicht der schwächste aller Menschen bin. Was auf diesen Seiten gelehrt wird, offenbart die Erfahrungen meiner Schwachheiten.
Nun ist das Buch in der Hand der Leser, Das ist allein Gottes Gnade. Falls ihr den Mut und die Ausdauer habt, den ersten Teil durchzuarbeiten und dann mit den anderen weiterzufahren, wird Gott euch vielleicht mit seiner Wahrheit segnen. Solltet ihr bereits das ganze Werk gelesen haben, dann möchte ich bitten, es wieder zu lesen, nachdem eine gewisse Zeit verstrichen ist. Geliebte, laßt uns einmal mehr unsere Herzen unserem Vater zuwenden, um von ihm sein Leben zu erlangen. Laßt uns aufs neue bekennen, daß wir arm sind, er aber reich ist, daß wir nichts haben, er aber alles hat. Ohne seine Gnade sind wir nichts als wehrlose Sünder. Wir wollen ihn daher mit dankbarem Herzen preisen, hat uns doch der Herr Jesus Gnade gegeben.
Heiliger Vater, was du mir anvertraut hast, ist nun hier in diesem Buch. Wenn es dir gut scheint, dann segne es bitte. Bewahre in diesen letzten Tagen deine Kinder vor dem verdorbenen Fleisch und vor bösen Geistern! Vater, erbaue du den Leib deines Sohnes, vernichte die Feinde deines Sohnes und beschleunige du das Kommen des Reiches deines Sohnes! Vater, Gott, ich blicke auf dich, ich werfe mich auf dich und ich verlange nach dir!
Shanghai, 25. Juni 1928 Watchman Nee
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Vorwort |
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Kapitel 1: Einführung über Körper, Seele und Leib | ![]() |